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Gärten, Geschichte und Genuss: Auf der Route des „Blühenden Polens“ gibt es in und um Warschau viel zu entdecken

Frühling in Polen: Jetzt entfaltet die pol­nische Hauptstadt Warschau zwischen Weichsel und Wolkenkratzern eine besondere Atmo­sphäre. Eine malerische Altstadt, moderne Wolkenkratzer, alternative Szeneviertel und trendige Hotspots in historischen Fabrik­gebäuden – das alles macht Warschau zu einem facettenreichen Reise­ziel. Hinzu kommt ein vielseitiges kulinari­sches (sogar preisgekröntes) Angebot, das lokale und internationale Einflüsse vereint.

Angekommen in Warschau führt der Weg zuerst in die Altstadt, deren farbenfrohe Fassaden und kopfsteingepflasterte Gassen nach wie vor den Geist der Vergangenheit atmen – eine sorgfältige Rekonstruktion, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Königsweg zieht sich vom Schlossplatz bis hinunter zu Kirchen, Palästen und kleinen Cafés, die das historische Herz der Metropole beleben.

Nicht weit entfernt ragt der Kulturpalast, polnisch Pałac Kultury i Nauki, (https://pkin.pl/en/home/) imposant in die Höhe. Stalin platzierte ihn mitten ins Zentrum der Stadt. Das sozialistische Hochhaus, 1955 errich­tet, sollte mit dem Empire State Building in New York konkurrieren – war für viele Polen aber ein Symbol der Unterdrückung. Heute ist es das Wahrzeichen der Stadt und von der Aussichtsterrasse auf 114 Metern Höhe hat man einen tollen Panoramablick auf die polnische Metropole.

Neues Kunstmuseum zeigt Gegenwartskunst

Direkt neben Kulturpalast und Haupt­bahnhof hat nun noch eine neue Ikone eröffnet: Der spektakuläre Bau des „Muzeum Sz­tuki Nowoczesnej“ – Museum für Moderne Kunst – mit seiner weißen Optik. Der minimalistische Stil des Gebäudes wurde zunächst kontrovers diskutiert, doch das lichtdurchflutete Atrium und die groß­zügigen Ausstellungsflächen haben sich als überzeugende architektonische Lösungen erwiesen. Klare Linien, offene Räume und große Fensterfronten schaffen einen direk­ten Bezug zur Stadtlandschaft Warschaus. Die ausgestellten Werke schlagen einen Bo­gen von den 1950er Jahren bis in die Gegen­wart. Das Besondere am Konzept ist, dass die gezeigten Kunstwerke regelmäßig neu arrangiert werden und sich so immer neue Perspektiven eröffnen. Ziel sei es, Kunst nicht statisch zu bewah­ren, sondern sie kontinuierlich in einen neu­en Dialog mit aktuellen gesellschaftlichen Themen zu setzen. Infos unter www.artmuseum.pl

Ein weiterer Höhepunkt wartet im Süden der Stadt: das Schloss Wilanów, auch „Polnisches Versailles“ genannt. Die goldenen Verzierungen, der barocke Garten und die weitläufigen Parkanlagen erzählen von königlicher Pracht und vom Glanz der einstigen Residenz von König Jan III. Sobieski. Ein Spaziergang durch den Park, begleitet vom Vogelgezwitscher und dem Duft blühender Sträucher, ist natürlich im Frühling ein besonderes Erlebnis.

Zwischen Orangerien, Denkmälern und Tempeln wandelt man auf den Wegen einer weiteren riesigen Stadt-Oase in Warschau: Der Der Łazienki-Park lohnt besonders sonntags einen Besuch, denn von Mai bis September finden hier kostenlose Freiluft-Chopinkonzerte statt.

Die Fabryka Norblina

In Warschau gibt es viele alte Industrie­gebäude, die mit trendigen Restaurants, Bars, Shops und Kunst zu neuem Leben erwachen. Einer der interessantesten Orte ist die Fabryka Norblina in der Nähe des Kulturpalastes, mitten im Business District. Hier wurden im 19. und frühen 20. Jhdt. galvanisierte Metallprodukte für den Haus­halt hergestellt. Heute ist die Norblin-Fabrik eine lebendige Shopping Mall, die Ge­schichte und Moderne vereint: Restaurierte Exponate wie alte Maschinen, Öfen und Eisenbahnschienen verschmelzen mit dem neuen Konzept zu einer architektonischen Attraktion. Die Exponate werden an meh­reren Orten im gesamten Fabrikkomplex präsentiert. Die Sammlung umfasst 400 ver­silberte Geschirrteile. Draußen sitzt man auf Bänken, die aus Werkswagen gefertigt wur­den. Die Food Town bietet eine Vielfalt an internationalen Leckereien. Hinzu kommt eine große Craft-Beer-Auswahl. Die histo­rische Location ist auch regelmäßig Kulisse kultureller Veranstaltungen wie Live-Kon­zerte am Abend und Ausstellungen.

Die Norblin-Fabrik kann man auch im Rahmen einer Führung besichtigen, der Guide schlüpft dabei in die Rolle des ehe­maligen Fabrikbesitzers. https://fabrykanorblina.pl/en/

Zwischen Apfelblüte und Tradition – Aufbruch ins ländliche Masowien

Am nächsten Tag geht es von Warschau in die farbenfrohe Welt der polnischen Folklore in der Region Masowien. Das Zentrum der polnischen Tradition offenbart sich in reich bestickten Trachten, geschnitzten Holzfiguren und farbintensiven Blumenmustern. Besonders sehenswert sind hier Werkstätten lokaler Künstler, die zeigen, wie filigran die traditionellen Motive bis heute gefertigt werden.

Die Region um Tarczyn/Grójec verbindet man in Polen zudem sofort mit Obstplantagen. Frühling und Sommer tauchen die Hügellandschaften in ein Meer aus Blüten und den Duft von Äpfeln. Bei einer Kostprobe von hausgemachten Säften und regionalen Kuchen schmeckt man die Frische der Region.

Warka – Geschichte, Bier & Folklore

Nächste Station: Warka. Im Museum von Kazimierz, das im klassizistischen Herrenhaus von Winiary untergebracht ist, wird die Geschichte des polnisch-amerikanischen Freiheitskämpfers Kazimierz Pułaski erzählt und führt zugleich in die Vergangenheit der Region ein – eingebettet in einen weitläufigen Landschaftspark, der zu den schönsten Mazowiens zählt.

Wenige Schritte weiter wartet eine weitere regionale Ikone: die Brauerei Warka, die man bei einer Führung erkunden kann. Danach muss man einfach das bernsteinfarbene Bier frisch gezapft genießen.

Am frühen Abend geht es nach Radom, der südlichsten Großstadt Masowiens. Neben dem charmanten Altstadtkern lohnt ein Blick in das Museum für Moderne Kunst oder ein Spaziergang am Kozienice-Wald, der die Stadt umgibt.

Schloss Karolin – Das Herz der polnischen Folklore

Ein besonders eindrucksvoller Ort auf der Route des „Blühenden Polens“ ist Schloss Karolin, die historische Residenz des berühmten Folklore-Ensembles „Mazowsze“. Das Anwesen liegt inmitten von 12 Hektar Wald und Parklandschaft und ist heute Sitz des Zentrums für Polnische Folklore. Besucher können hier tief in die Welt der polnischen Volkskultur eintauchen: bunte Kostüme, traditionelle Muster, Musik, Tanz und jahrhundertealte Erzählungen bilden ein lebendiges Mosaik regionaler Identität. Das Zentrum bietet Ausstellungen, Workshops, Führungen und Konzerte – ein farbenprächtiger Streifzug durch die Vielfalt Polens.

Der Palast selbst wurde 1909–1911 errichtet und nach Karolina Bobrowska benannt, die das Grundstück stiftete. Ursprünglich als Sanatorium geplant, entwickelte sich der Ort bereits in der Zwischenkriegszeit zu einem beliebten Rückzugsort für Künstler. Ab 1948 wurde Karolin zur Heimat des Ensembles „Mazowsze“, das hier probte, lebte und arbeitete. Die Räume dienten nicht nur der Musik und dem Tanz, sondern auch als Schule und Ort für traditionelle Handwerkskünste wie Stickerei und Papierschnitt. Bis heute wird diese Tradition bewahrt und in den Ausstellungen sowie im Folklorezentrum eindrucksvoll vermittelt. [karolinmazowsze.pl]

Schloss Karolin verbindet Geschichte, Kunst und Natur auf einzigartige Weise – ein stimmungsvoller Ort, an dem die Seele der polnischen Folklore spürbar wird.

Sandomierz – Zwischen Obstgärten, Königen und Wein

Weiter geht es nach Süden: Sandomierz ist eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Polens. Schon die Anfahrt durch sanfte Hügel, Obstgärten und kleine Dörfer stimmt auf einen Tag voller Natur und Kultur ein. Die Region rund um Sandomierz ist auch als „polnisches Obstparadies“ bekannt, besonders für Äpfel und Kirschen. Empfehlenswert sind außerdem kurze Spazierwege entlang der Plantagen oder ein Abstecher in die nahe Schlucht Wąwóz Królowej Jadwigi.

Während der Stadtführung öffnen sich die mittelalterlichen Gassen, der Marktplatz mit seinem Renaissance-Rathaus und die beeindruckende Kathedrale. Sandomierz ist eine echte Königsstadt, durchzogen von Legenden und Handwerkskunst.

Bei einer Schifffahrt über die Weichsel, die hier breit und gemächlich durch die Landschaft fließt, lässt sich die Landschaft besonders schön vom Wasser aus erleben. Lokale Weingüter beweisen eindrucksvoll die Renaissance des polnischen Weinbaus.

Kazimierz Dolny und Puławy – Kunst, Legenden und Adelskultur

Ein weiteres Highlight ist der Besuch von Kazimierz Dolny, einem Künstlerstädtchen an der Weichsel, das wie aus einem Bilderbuch wirkt. Im Rahmen einer Führung zeigen sich die schönsten Seiten: der Marktplatz mit seinen reich verzierten Bürgerhäusern, die Ruinen der Burg, die berühmten Kornspeicher und der Blick vom Dreikreuzberg. Besonders sehenswert: die zahlreichen offenen Ateliers und kleinen Galerien, die zeigen, warum der Ort seit Jahrhunderten Maler anzieht.

Wenn man mit der Fähre über die Weichsel setzt, erreicht man die mittelalterliche Burg Janowiec, deren Mauern hoch über dem Fluss thronen – ein perfekter Aussichtspunkt über die Hügellandschaft. Tipp: Im Restaurant „Schwarze Dame“ gibt es typisch regionale Wildgerichte mit Kräutern aus den umliegenden Wäldern sowie hausgemachten Kuchen.

Puławy, bekannt für den Palast und die romantische Parkanlage der Familie Czartoryski, ist der perfekte Abschluss der Route des „blühenden Polens“. Zwischen klassizistischer Architektur und alten Baumbeständen spürt man den Geist einer der wichtigsten Adelsfamilien Polens. Sehenswert sind neben dem Palast auch der Tempel der Sibylle und das malerische Parkgelände mit weitläufigen Spazierwegen.

Text: Antonia Kasparek

Gut zu wissen

Anreise

Von vielen deutschen Flughäfen zum Beispiel mit der polnischen Airline LOT direkt nach Warschau zum Internationalen Chopin- Flughafen, der nur knapp 10 km vom Zentrum der Hauptstadt entfernt ist.  Tipp: Mit der Buslinie 175 kann man direkt vom Flughafen (Haltestelle gegenüber der Ankunftsebene) zum Zen­tralbahnhof fahren und ist mitten in der Stadt. Das Ticket kostet etwa 2 Euro.

Mit dem Zug: Von Berlin zum Beispiel mit dem täglichen Berlin-Warszawa-Express direkt zum Warszaw Centralna (Zentralbahnhof). Direkt im Stadtzentrum gelegen, mit sehr guten Verkehrsverbindungen zu allen Warschauer Stadtteilen.

Hoteltipps

Das 4-Sterne Radisson Blu Sobieski Hotel liegt etwa einen Kilometer vom Bahnhof und 2 Mi­nuten von der nächstgelegenen U-Bahn-Sta­tion entfernt. Zu Fuß läuft man zum Kulturpa­last 20 Minuten. Sehr gutes Frühstücksbuffet.

Das 5-Sterne-Radisson Collection Hotel Warsaw liegt im Zentrum. Bis zum Kulturpalast sind es 5 Minuten zu Fuß und bis zur Altstadt 20 Minuten. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. Und die Lobby-Bar mit Außen­terrasse ist zu jeder Tageszeit ein Anziehungs­punkt.

Infos unter www.radisson.com

Tipp: Ein großes Angebot fertiger Polenreisen mit deutschsprachiger Führung kann man un­ter https://polen-incoming.de/travel/ buchen.

Infos zu Warschau: https://go2warsaw.pl/de/

Mehr Infos zu Polen www.polen.travel

Bilder: Antonia Kasparek, Polen Travel