
Miezko II. Lambert – Sohn von Boleslaw I. – wurde im Jahr 1025 König von Polen
Polen gedenkt seiner ersten beiden Könige, denn vor 1000 Jahren fanden gleich zwei Krönungen statt. Im Jubiläumsjahr 2025 finden in den ehemaligen Königsstädten Gniezno (Gnesen) und Poznan (Posen) sowie landesweit Feierlichkeiten statt.
Dieses Jahr lohnt es sich besonders nach Polen zu reisen, denn Polen feiert seine ersten Könige, die die politische Eigenständigkeit des noch jungen Staates gefestigt und Polen dauerhaft in der europäischen politischen Landschaft etabliert haben.
Wer die ganze Geschichte des frühen Herzogtums und Königreichs Polen erleben will, sollte auf dem „Szlak Piastowski“ (Piastenweg) reisen. Die Touristenroute verbindet historische Schauplätze wie Gniezno, Ostrów Lednicki, Biskupin und Poznań.
Besonders in Gnesen und Posen wird das Jubiläum mit Veranstaltungen und Ausstellungen gefeiert. Ein Höhepunkt ist das Festival der slawischen Kultur vom 18. bis 20. Juli in Gniezno.
Darüber hinaus locken Gnesen und Posen mit speziellen Ausstellungen. Um die etwas komplizierte Historie zu verstehen, ist ein kleiner Ausflug in die Geschichte nötig:
Kurz vor seinem Tod im Jahr 1025 wurde Bolesław Chrobry zum ersten König Polens gekrönt. Noch im gleichen Jahr bestieg auch sein Nachfolger Mieszko II. Lambert den Thron.
Bolesław Chrobry (Boleslaus der Tapfere) wurde um 967 als Sohn von Mieszko I., dem Begründer des polnischen Staates, und der böhmischen Herzogstochter Dubrawka geboren. Seine Herrschaft war geprägt von einer geschickten Außenpolitik, militärischen Erfolgen und einer engen Verbindung zur christlichen Kirche. So unterstützte Bolesław aktiv die Prussenmission des Bischofs Adalberts von Prag. Dieser gilt unter seinem polnischen Namen Wojciech bis heute als Nationalheiliger des Landes.
Nachdem Adalbert unweit von Danzig den Märtyrertod gestorben war, ließ Bolesław ihn in Gniezno (Gnesen) beisetzen. Otto III., der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, pilgerte an das Grab seines Freundes. Er traf dort Bolesław und errichtete im Akt von Gnesen Polens erstes Erzbistum mit der Grabeskirche als beeindruckende Kathedrale. Bis heute ist sie Sitz des polnischen Primas. Ihr Südportal ziert seit dem 12. Jahrhundert eine eindrucksvolle Bronzetür, die das Leben und den Tod des Heiligen Adalberts nachzeichnet.
Bolesław wurde vom Kaiser mit königlichen Rechten ausgestattet. Doch nach Ottos Tod im Jahre 1002 musste er zahlreiche Konflikte mit dessen Nachfolger, Heinrich II., austragen. Erst als dieser starb, konnte Bolesław sich 1025 offiziell von einem päpstlichen Gesandten zum König von Polen krönen lassen. Das genaue Datum der Krönung ist nicht bekannt. Bolesław blieben nur wenige Tage auf dem Thron, bevor er am 17. Juni 1025 starb. Nach dem Tod von Bolesław wurde dessen Sohn Mieszko II. Lambert am 25. Dezember 1025 in der Kathedrale von Gniezno zum zweiten polnischen König gekrönt. Dessen Amtszeit war von vielen Konflikten geprägt. Bei seinem Tod im Jahr 1034 war das von Mieszko I. und Bolesław Chrobry aufgebaute Reich geschwächt.
Bolesław Chrobry wurde wahrscheinlich um die Osterzeit in der Kathedrale von Gniezno gekrönt. Dem Jubiläum ist auch das Festival der slawischen Kultur vom 18. bis 20. Juli gewidmet.

Boreslaw I. Chrobry war der erste offiziell gekrönte König Polens im Jahr 1025
Die zentralen Feierlichkeiten werden an zwei Wochenenden im August stattfinden. Ihr wichtigstes Element wird eine multimediale Inszenierung des Krönungsaktes unter freiem Himmel sein. Im September findet zudem eine Feier anlässlich des Aktes von Gnesen statt. Während des gesamten Jahres sind weitere Veranstaltungen im Zeichen des Jubiläums geplant.
In der rund 50 Kilometer nordöstlich von Poznań (Posen) gelegenen historischen Kleinstadt widmet sich zudem das Museum der Ursprünge des polnischen Staates den Anfangsjahren von Polen und der Herrscherfamilie der Piasten.
Auch die unweit von Gniezno gelegenen Insel Ostrów Lednicki lohnt sich zu besuchen. Hier soll Mieszko I., der Vater von Bolesław, im Jahr 966 zum Christentum konvertiert sein. Das Datum gilt als Anfang der polnischen Staatlichkeit. Im dortigen „Museum der Ersten Piasten“ können Besucher eine Sonderausstellung zur Frühzeit des polnischen Königreichs und der Rolle von Bolesław sehen. Die interaktive Schau zeigt Originalfundstücke von der Insel sowie zahlreiche liturgische Gegenstände und Nachbildungen, die mit dem frühen Königreich verbunden sind.

Polen feiert 2025 das Krönungsjubiläum mit landesweiten Veranstaltungen, besonders in Gniezno und Poznan
Macht und Krone in Posen: Jubiläum der ersten polnischen Krönung
Eine besondere Bedeutung für den frühen polnischen Staat kommt auch Poznań zu. Für kurze Zeit war Posen im 13. Jahrhundert auch polnische Hauptstadt. Diese Geschichte können Besucher im multimedialen Zentrum „Brama Poznania” (Posener Tor) erleben. Anlässlich des Jubiläums finden in Poznań wissenschaftliche Kongresse, Kultur- und viele andere Veranstaltungen statt. Vorgesehen ist auch eine Sonderausgabe der Stadtchronik, die allein Polens erstem König gewidmet sein soll. https://bramapoznania.pl/de/
Auf der Dominsel befand sich eine Burganlage, die Mieszko I. als Sitz diente. 968 wurde dort der Vorgängerbau der heutigen Kathedrale errichtet. Sie diente als Grablege für Mieszko I., Bolesław Chrobry und weitere polnische Könige.
In der Goldenen Kapelle der Kathedrale befindet sich ein Mausoleum für Mieszko I. und Bolesław Chrobry mit Bronzestatuen der beiden Herrscher, die der preußische Bildhauer Christian Daniel Rauch 1841 geschaffen hatte.
Im Jubiläumsjahr bereitet das Archäologische Museum in Posen eine Ausstellung sowie eine begleitende Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Bolesław Chrobry – aus Posen für Macht und Krone” vor, die dazu einlädt, die Spuren des ersten polnischen Königs zu entdecken, die durch die Wissenschaft dokumentiert wurden. Die Figur von Bolesław Chrobry und seine Nachkommen, die Strukturen der damaligen Macht, die Rolle des Gniezno-Aufenthalts auf dem Weg zur Krone werden näher beleuchtet und sollen helfen die genetischen Komplexitäten der Bevölkerung des Piastenstaates zu entschlüsseln. Weitere Informationen https://rezerwat.muzarp.poznan.pl/
Die Eröffnung des Projekts fand im Februar im Archäologischen Reservat Genius loci auf der Dominsel statt. Der erste Teil der Ausstellung, bei dem ausgewählte Exponate über die faszinierende Welt der Zeit von Bolesław Chrobry erzählen – über Bräuche, Glauben und Veränderungen der damaligen Gesellschaft – beginnt am 15. April.
Der zweite Teil der Ausstellung, der spektakuläre Funde auf der Posener Dominsel präsentiert, ist seit dem 17. Juni eröffnet und würdigt damit gleichzeitig das Datum des Todes von Bolesław Chrobry und seiner königlichen Beisetzung in der Posener Kathedrale.
In der Marienkirche, die an der Stelle der in zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts von Herzog Mieszko I. errichteten Palastkapelle steht, sowie im Archäologischen Reservat Genius loci, präsentiert sich die Posener Dominsel als der Ort, an dem Bolesław Chrobry wahrscheinlich geboren wurde, wo er inmitten mächtiger Wälle, die den Zugang zum Piastenhof bewachten, seine Kindheit verbrachte, von wo aus er aufbrach und wohin er zurückkehrte, um nach seinem Tod an der Seite seines Vaters – Mieszko I. – in einem prächtigen Grab im Hauptschiff der Posener Kathedrale zu ruhen.
Diese lebendige Tradition, sich auf die Schöpfer der polnischen Staatlichkeit zu berufen, führte zu einem besonderen Symbol des Gedenkens – eben der Goldenen Kapelle. Im Jahr 1844 wurde dort ein neugotischer Sarkophag mit den Überresten von Mieszko I. und Bolesław Chrobry sowie ein imposantes Denkmal beider Herrscher aufgestellt.
Das Archäologische Reservat Genius loci lädt auch zu speziellen Jubiläums-Museumsstunden ein, die in Form von stationären und virtuellen Führungen auf den Spuren von Bolesław Chrobry auf der Dominsel durchgeführt werden. Das Jubiläum wird aber natürlich in ganz Polen gefeiert.
Gut zu wissen:
Anreise mit dem Zug oder Auto nach Posen und Gnesen.
Übernachten
Hotel Pietrak (Gnesen/Gniezno)
Das Hotel liegt in der Fußgängerzone von Gniezko. Es gibt drei Restaurants und einen Wodka-Tasting-Bereich.
Das Hotel Altus liegt sehr zentral und nur 700 m von Einkaufszentrum Stary Browar entfernt. Alles ist fußläufig erreichbar.
Andersia Hotel & Spa Poznan liegt gegenüber dem Einkaufs-, Kunst- und Geschäftszentrum Stary Browar, auch nur 1 km vom Residenzschloss Posen entfernt.
Aktuelle Informationen rund um die Feierlichkeiten in Gniezno gibt es unter www.gniezno2025.pl.
Informationen zur Region Wielkopolska
Informationen zu Posen unter https://visitpoznan.pl/en
Informationen zur Ausstellung im Museum der Geschichte Polens unter www.muzhp.pl
Touristische und kulturelle Informationen zu Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel
Fotos: Polen Travel / Gniezno2025 / Antonia Kasparek

