Test & Rat

Fernreise: Wie gut ist die medizinische Versorgung in Thailand, Südafrika, USA, Kuba & Indonesien?

Mit einer guten Reiseplanung kann der Urlaub stressfrei beginnen

Mit einer guten Reiseplanung kann der Urlaub stressfrei beginnen

Zahlreiche beliebte Fernreiseländer, die bisher eine strenge Corona-Politik verfolgten, haben ihre Grenzen für den internationalen Tourismus wieder geöffnet. So benötigen etwa Thailand-Urlauber seit dem 1. Oktober für die Einreise weder einen Impfnachweis, noch einen negativen Test.

Zögern vor der ersten großen Fernreise nach langer Pause lässt einige jedoch noch die Sorge davor, im Ausland zu erkranken und medizinische Hilfe zu benötigen. Und tatsächlich unterscheidet sich die Qualität der medizinischen Versorgung und der Infrastruktur vor Ort erheblich. Birgit Dreyer, Expertin der ERGO Reiseversicherung,  gibt für Clever reisen! einen Überblick, wie es in einigen der beliebtesten Fernreise-Destinationen darum bestellt ist. Insgesamt lässt sich sagen: Medizinische Behandlungen im nicht-europäischen Ausland sind – besonders im privaten Sektor – häufig äußerst kostspielig. Eine entsprechende Absicherung mit einer Auslandskrankenversicherung ist daher immer eine gute Idee.

Thailand: Hohe Apotheken-Dichte und gute Versorgung
Traumstrände, eine ausgezeichnete Küche und ein gutes Preisniveau machen Thailand im Winter zu einem absoluten Top-Ziel für Sonnenhungrige. Und auch die gesundheitliche Versorgung ist in Thailand – im Vergleich mit anderen südostasiatischen Staaten – gut ausgebaut. Selbst bei Reisen in ländliche und abgelegene Gebiete, die üblicherweise bei einer Rundreise auf dem Plan stehen, finden sich sogenannte „Health Center“, die ambulante Versorgung leisten. Die Erkrankung ist schwerer? Dann bieten sich für ausländische Urlauber vor allem internationale Krankenhäuser in größeren Städten sowie private Einrichtungen an – ein gehobenes englisches Sprachniveau ist hier Standard. Das medizinische Personal in den öffentlichen Krankenhäusern ist ebenfalls sehr gut ausgebildet, die Wartezeiten für eine Behandlung können jedoch lang sein – darüber hinaus ist die medizinische Ausrüstung oft veraltet. „Die Apotheken-Dichte ist in Thailand interessanterweise deutlich größer als in Deutschland“, so Dreyer. „Zudem gilt dort das ‚Over the counter‘-Prinzip. Viele hierzulande rezeptpflichtige Medikamente lassen sich in thailändischen Apotheken ohne weiteren Nachweis kaufen.“ Ein praktisches Feature zum Entschlüsseln von Medikamenten beziehungsweise Wirkstoffen in Landessprache bietet der Medikamenten-Übersetzer in der travel & care App der ERGO Reiseversicherung, die allen Kunden mit einer Jahresreise- oder Langzeitversicherung zur Verfügung steht. Angst vor einer Magenerkrankung? Meistens unbegründet. In Thailand können Urlauber relativ bedenkenlos bei den typischen kleinen Garküchen am Straßenrand und auf Nachtmärkten zugreifen, ohne böse Überraschungen fürchten zu müssen.

Indonesien: Kein westlicher Standard
Ein Traumziel für zahllose Urlauber – wenn auch nicht unbedingt bei der medizinischen Versorgung: Denn Kliniken in Indonesien und auf Bali verfügen im Allgemeinen nicht über den Standard, den Urlauber aus westlichen Ländern gewohnt sind. Ähnlich wie in Thailand gilt, dass private Krankenhäuser die bessere Wahl im Fall der Fälle sind. Dies spiegelt sich dann aber auch in den Behandlungskosten wider – ein umfassender Krankenversicherungsschutz ist daher unerlässlich. „Bei medizinischen Notfällen und komplexen chirurgischen Eingriffen kann unter Umständen die Überführung in ein Nachbarland, etwa Singapur, notwendig sein, da dort spezialisiertes Personal mit besserer Ausstattung verfügbar ist“, erklärt Dreyer. Kein Grund zur Sorge besteht jedoch bei kleineren medizinischen Problemen: In den Touristenorten finden sich oft kompetente und englischsprachige Ärzte und auch Apotheken sind in den städtischen Zentren Indonesiens und Balis leicht zu finden, viele davon haben sogar 24 Stunden am Tag geöffnet. Um dem Apothekengang vorzubeugen, sollten sich Indonesien-Urlauber im Gegensatz zu Thailand stets an die Regel „peel it, boil it, cook it or forget it!“ („Schälen, kochen, braten oder verzichten“) halten, wenn sie außerhalb ihres Hotels essen gehen.

Südafrika: Top-Versorgung im privaten Bereich
Die einzigartige Landschaft, seine Tierwelt und die Kulinarik machen Südafrika zu einem besonders beliebten Fernreiseziel – und das sogar ohne Zeitverschiebung. Auch um die medizinische Versorgung ist es in Südafrika sehr gut bestellt und das Personal top ausgebildet – allerdings größtenteils im privaten Sektor. Die Kosten für medizinische Behandlungen sind daher entsprechend hoch. „Gut zu wissen: In Südafrika ist verfassungsmäßig eine Gesundheitsversorgung für alle festgeschrieben – Menschen mit niedrigem Einkommen und Arbeitslose müssen daher im Land nur einen kleinen Anteil für medizinische Behandlungen selbst zahlen“, erläutert Expertin Dreyer. Da Urlauber aus Deutschland mit ihrer Einkommensklasse jedoch meist weit darüber liegen, müssen sie in voller Höhe selbst für die Kosten aufkommen – auch in öffentlichen Einrichtungen. Die Absicherung über eine Auslandskrankenversicherung ist also auch hier eine gute Idee. Auch Apotheker sind in Südafrika gut ausgebildet und beraten Touristen bei kleineren medizinischen Beschwerden und Verletzungen direkt vor Ort. Übrigens: Leitungswasser in den Großstädten gilt als gesundheitlich unbedenklich. In ländlichen Gebieten sollte hingegen nur Wasser getrunken werden, dessen Ursprung sicher ist, etwa in Form von versiegelten Flaschen. Zudem: Die Faustregel zum Umgang mit Lebensmitteln in Indonesien, gilt auch in Südafrika, wenn Reisende abseits der typischen Touristenpfade unterwegs sind.

USA: Ausgezeichneter Standard bei hohen Kosten
Modernste Einrichtungen und sehr gut ausgebildetes Personal: In den Vereinigten Staaten bewegt sich die medizinische Versorgung auf einem hohen Niveau. Nicht überraschend also, dass im Ranking der 250 besten Krankenhäuser der Welt, das kürzlich von der Zeitschrift Newsweek zusammen mit Statista herausgegeben wurde, auf den ersten drei Plätzen ausschließlich US-amerikanische Klinken landen. Ein Großteil der Krankenhäuser in den USA ist in privater Hand und die Wartezeiten hier deutlich kürzer als in den öffentlichen Einrichtungen. Was beide Typen gemeinsam haben: Die medizinische Behandlung ist im Vergleich zu anderen westlichen Ländern extrem teuer. Private Einrichtungen verlangen daher häufig vor der Behandlung – natürlich sofern es sich nicht um einen medizinischen Notfall handelt – einen entsprechenden Nachweis über die Zahlungsfähigkeit, der etwa in Form einer Kreditkarte oder einer Krankenversicherung vorgelegt werden kann. Die Apotheken-Dichte ist hoch, Dependancen der beiden großen Ketten CVS und Walgreens finden sich auch in nahezu jeder Kleinstadt mehrfach. „Falls Touristen in den USA zum Arzt müssen, können sie das übrigens auch in den meisten Apotheken tun“, erklärt Reiseexpertin Birgit Dreyer. „Die sogenannten ‚Walk-In-Clinics‘ sind direkt in den CVS- oder Walgreens-Stores angeschlossen und bieten auch am Wochenende schnelle Hilfe bei kleineren gesundheitlichen Problemen.“

Kuba: Fortschrittliches Gesundheitssystem
Die medizinische Versorgung des Karibik-Staates genießt international hohes Ansehen und liegt deutlich über dem Niveau anderer lateinamerikanischer Länder. Kein Wunder, schließlich ist die Gesundheitsversorgung für alle Kubaner kostenlos, darüber hinaus fließen weit über zehn Prozent des gesamten Staatshaushaltes in den Gesundheitssektor. Das zahlt sich aus: In zahlreichen touristischen Orten gibt es medizinische Einrichtungen mit englischsprachigem Personal – auf der Halbinsel Varadero sogar ein internationales Krankenhaus – die bei Notfällen für Touristen da sind. Darüber hinaus gibt es in den großen Hotels touristischer Zentren fast überall einen eigenen englischsprachigen Arzt, die bereits auf die Behandlung von Urlaubern eingestellt sind. „Eine Besonderheit gibt es in Kuba allerdings in puncto Apotheken zu beachten“, so Dreyer. „Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation des Landes ist die Medikamenten-Auswahl vor Ort längst nicht so groß wie in Deutschland. Touristen sollten sich vor ihrem Kuba-Urlaub also unbedingt eine umfangreiche Reiseapotheke zusammenstellen.“

Tipp: Eine echte Hilfe im Ausland – ungeachtet der Qualität der medizinischen Versorgung vor Ort – bietet der digitale Service „Air Doctor“ der ERGO Reiseversicherung: Damit haben Kunden Zugriff auf über 20.000 Ärzte in 70 der wichtigsten Reise-Destinationen. Benötigen sie ambulant ärztliche Hilfe, kann digital ein Arzttermin in der Nähe gebucht werden. Die Ärzte können unter anderem nach Fachrichtung und Sprachkenntnis vorselektiert werden.

Vorbereitung ist alles: Neben dem Abschluss einer Reisekrankenversicherung sollten Urlauber vor der Reise unbedingt überprüfen, welche medizinischen Besonderheiten im Reiseland bestehen und ob etwa bestimmte Impfungen oder medizinische Formulare sowie Corona-Nachweise verpflichtend sind. Infos: https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/reise-und-sicherheitshinweise

Bilder: depositphotos